Philosophie


Für viele Menschen, die sich für Kampfsport oder Kampfkunst interessieren, stellt sich oft die Frage nach philosophischen Grundlagen bzw. nach der Möglichkeit des Erreichens eines erweiterten Bewusstseinshorizonts.

Wir wollen unsere Sichtweise zum Thema Philosophie und Religion in Verbindung mit Kampfkunst ansprechen.

Neben der Yin-Yang Philosophie, auf die in erster Linie im Training Bezug genommen wird, liegen in der Kobilza-Schule vom Takeda Budo die wichtigsten Berührungspunkte  mit der Philosophie in den beiden Grundsätzen „Du bist, was du bist und nicht, was du zu sein scheinst“ und „Leben im Hier und Jetzt“!

„Du bist, was du bist und nicht, was du zu sein scheinst“, zielt unter anderem darauf ab, dass ein Vergleichen der eigenen Fähigkeiten mit jenen anderer Personen (Kollegen oder Konkurrenten) zu einer falschen Zufriedenheit mit sich selbst führt und daher nicht sinnvoll ist.

Die eigene Leistung mag besser erscheinen, aber ist sie das wirklich? Besser zu sein als jemand anderer, gibt keinen Aufschluss darüber, ob man selbst schon gut ist oder etwas nicht noch besser hätte machen können. So ist man allzu leicht zufrieden mit dem Ergebnis des angestellten Vergleiches, was letztlich zu einem Entwicklungsstillstand führen kann. Das volle Potential der eigenen Entwicklungsfähigkeit wird auf diese Weise nie ausgeschöpft. 

Den Blick auf sich selbst bzw. nach innen zu richten und zu erkennen, wer, wie oder was man ist, ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Übung. Es ist dies eine grundlegende Voraussetzung und der Garant dafür, eine ständige Weiterentwicklung und lebenslanges Lernen auf allen menschlichen Ebenen zu ermöglichen.

Unter diesem Aspekt sind als Teil der Ausbildung innerhalb der ISTB und in Folge des Sobukan Union Wien auch Wettkämpfe zu sehen. Der primäre Zweck unserer Wettkämpfe liegt darin, eine ganz wichtige Erfahrung zu machen.

Gelerntes wird in einer Stresssituation umgesetzt. Es entsteht eine spezielle Lernsituation und es werden Selbstsicherheit und Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten gestärkt. Fortgeschrittene können sich mit der Zeit durch mehr und mehr Gelassenheit in kritischen Situationen auszeichnen.

Der Gewinn eines Kampfes ist natürlich ein für den Sieger vorübergehend sehr erfreulicher Effekt, ist aber kein Selbstzweck. Ein einstiger Sieg hat für den Ausgang des nächsten Kampfes, das Annehmen der nächsten Herausforderung, aber keine weitere Bedeutung. Eine neue Herausforderung ist nichts anderes als eine neue Aufgabe, an der man wachsen kann, indem man sie zu bewältigen versucht. 

An dieser Stelle wollen wir betonen, dass Mystik oder religiöse und kulturelle Aspekte der japanischen Gesellschaft wie diverse Formen des Buddhismus und des Shinto und insbesondere der Samurai, faszinierende Lehr- und Lernbereiche darstellen. Sie sind jedoch nicht notwendige Voraussetzungen für das Erlangen einer tiefen Einsicht in die Naturlehre der Aiki-Kampfkünste und deshalb kein Bestandteil unseres Unterrichts!

Interessierten, die mehr Informationen zu diesen Themen haben wollen, verweisen wir auf die von uns vorgeschlagenen Quellen am Ende des Artikels. Der Verein Sobukan Union Wien ist kein Kulturverein, seine Lehrer haben sich der Unterweisung in den Kampfkünsten verschrieben.  

Die den Aiki-Kampfkünsten zugrunde gelegte Idee zielt darauf ab, bestimmte Gesetzmäßigkeiten in der Natur und im Universum zu erkennen, zu verstehen und letztlich auch zu nutzen.

Ungeachtet dessen, ob jemand in der Budowelt diese Prinzipien für sich exklusiv vereinnahmen will, bleiben es Naturgesetze aus Anatomie, Physik und Erkenntnisfähigkeit des Geistes, die immer und überall ihre Gültigkeit behalten. Auch über die verschiedenen Schulen hinweg und natürlich genauso außerhalb der Kampfkünste.

Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung zu diesem Thema, inkl. einer kurzen Zusammenfassung stereotyper Ansichten zu Japan und japanischer Religion findet man beispielsweise auf der Homepage der Universität Wien unter:

www.univie.ac.at/rel_jap/an/Grundbegriffe:Stereotype
www.univie.ac.at/rel_jap/an/Geschichte:Zen

Dies spiegelt im Wesentlichen unseren Standpunkt zum Thema Religion bzw. Zen und Buddhismus in Japan wider.

Für ernsthaft Interessierte an der Religion und den Inhalten des Buddhismus oder an Zen als einer Schule der buddhistischen Lehre empfehlen wir, dass sie sich mit entsprechenden Quellen beschäftigen oder seriöse Vereine aufsuchen, wo Kurse und Unterricht durch ausgebildete und qualifizierte Lehrer angeboten werden. 

Selbstverständlich erlangten die Samurai ein hohes Maß an Geschicklichkeit und geistiger Fokusierung. Dieser Umstand ist aber eher der Tatsache zuzuschreiben, dass sich angehende Samurai schon ab einem sehr jungen Alter einer strengen Ausbildung zum Krieger unterziehen mussten. Und das schon lange bevor japanische Mönche in China die Praxis des Zen kennenlernten oder diese von chinesischen Mönchen in Japan bekannt gemacht wurde.

Gemäß unserem zweiten Grundsatz „Leben im Hier und Jetzt“ (der sich übrigens auch in der Zen-Praxis findet), heißt das, zu verstehen, dass wir heute unsere Schüler nicht darauf vorbereiten, für einen Kriegsherrn (Shogun) oder ihren Clan in die Schlacht zu ziehen. Wir haben auch -hoffentlich- keine Feinde, gegen die wir mit dem Schwert auf Leben und Tod zu kämpfen hätten. Eltern schicken ihre Kinder nicht zu uns in die „Samurai-Schule“, um sie zu funktionierenden Kriegern ausbilden zu lassen.

Es gilt viel mehr, unser Leben im Hier und Jetzt zu leben, den heutigen Herausforderungen mit Gelassenheit, aber auch entschlossen zu begegnen.

Die Erfahrungen in Zusammenhang mit den Prinzipien unserer Aiki-Kampfkünste können uns helfen, im täglichen Leben den Fokus auf das Wesentliche zu legen und Unwesentliches beiseite zu lassen. Dadurch bleibt dem Praktizierenden mehr Kraft, um in Bereichen zu wirken, wo Veränderungen auch möglich sind.

Deswegen verbringen wir Zeit im Dojo und widmen einen Teil unserer Freizeit dem Budo. Im Verein Sobukan Union Wien steht die Freude am Trainieren und die Faszination des Budo im Vordergrund. Schritt für Schritt führt das zu einem tieferen Verstehen der eigenen Person wie zu geistiger Reife.

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